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27.07.2010
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Sex, Drogen und Rock'n'Roll
Was Stars hinter den "Zelt"-Kulissen so treiben
21 Jahre "Zelt". Was für ein Zirkus. In der Manege ebenso wie hinter den Kulissen: Mancher Artist, der in der hohen "Zelt"-Zeit zwischen 1989 und 2000 vorne denkwürdige Auftritte hinlegte, zeigte sich hinten vor weit weniger Publikum von einer ganz anderen Seite. Rio Reiser als deprimierte Spaßbremse. Eric Burdon als weltfremdes Träumerle. "Mother's Finest" als randalierende Saubären.
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| Freund aller Kinder: Helge Schneider. Sein "Zelt"-Auftritt fand im Josefshaus statt. |
So hat insbesondere Hubert Schober die Stars erlebt. Der 50-Jährige war immer dabei. Anfangs zog er das "Zelt" in Diensten des Stadtjugendrings auf, später als Mitorganisator mit der eigenen Konzertagentur. Auch beim "Zelt 2010", das am Mittwoch mit "Papa Roach beginnt", ist der heutige Leiter des Weidener "FKP Scorpio"-Büros wieder beteiligt: als Bühnenmanager. Mit dem NT erinnert er sich an legendäre Episoden - die sich aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielten. Bisher ...
John Cale 1989: Ein echter Knüller, dass der legendäre Musiker, mit Lou Reed einst tonangebend bei "Velvet Underground", die Hauptattraktion des ersten "Zelt"-Festivals sein soll. Eine Bedingung aber: Die Berühmtheit lässt mit dem Stadtjugendring vertraglich vereinbaren, dass ihn eine schwere Limousine vom Flughafen abholen soll. Woher nehmen? Der einzige größere Wagen, den die Veranstalter auftreiben können, ist eine alte Mercedes-Rostlaube. Als die in München-Riem vorfährt, staunt der Herr Popstar nicht schlecht. Immerhin: Vertrag erfüllt. Cale selbst erweist sich als weniger gut vorbereitet. Für sein Konzert leiht er sich eine akustische Klampfe aus - von einer Neustädter Gitarrenschülerin.
27.07.2010
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Sex, Drogen und Rock'n'Roll
Was Stars hinter den "Zelt"-Kulissen so treiben
Und entgegen des ersten Eindrucks erweist sich der Künstler als überraschend umgänglicher Mensch. "Er saß bei uns in der WG auf dem Bett und sah sich meine Plattensammlung an", erzählt Schober. "Bei meinen Cale-Bootlegs rümpfte er die Nase. Die wollte er nicht signieren." Kein Grund aber für dauerhafte Verstimmung: Immer wenn Cale in den Folgejahren auf Tour war, traf er sich mit Schober zum Squash-Spielen.
Buddy Miles 1990: In der Rock-Manege liefert der singende Schlagzeuger eine zirkusreife Vorstellung, welche die Menge restlos begeistert. "Einer meiner schönsten ,Zelt'-Abende", schwärmt Hubert Schober noch heute. Kaum nachvollziehbar, weshalb Miles danach hinter der Bühne zum missgelaunten Brummbären mutiert. Angesprochen auf seinen einstigen Kumpel Jimi Hendrix und dessen Unzufriedenheit mit der gemeinsamen Gruppe "Band of Gypsies" entfährt Miles: "Hendrix hat viel Mist geredet. Er war mit sich selbst nicht zufrieden." Den Weidener Auftritt behält aber auch Buddy in guter Erinnerung: Auf seiner nächsten CD erscheint ein Live-Mitschnitt, der aus dem "Zelt" stammt.
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Johnny "Guitar" Watson 1990: Die Blues/Funk-Legende ist "definitiv der bedröhnteste Künstler, den wir je hatten", stellt Schober fest. "Mit weitem Abstand!" Watson ist "so was von breit", dass er bei jedem Schritt geführt werden muss. Das Erstaunlichste: "dass er in diesem Zustand trotzdem ein tolles Konzert abgeliefert hat."
Rio Reiser 1990: Der "König von Deutschland" in mieser Stimmung. Beim letzten Konzert vor dem "Zelt"-Auftritt erhalten er und seine Band keine Gage. Hubert Schober: "Die kamen völlig frustriert und aggressiv hier an." Und treffen auf eine völlig euphorisierte Vorband, die Witze am laufenden Band reißt: die Regensburger Spaß-Combo "CC7". Erst bei einem gemeinsamen Fußballspiel am Nachmittag, dann am Abend auf der "Zelt"-Bühne prallen zwei Welten aufeinander. "Faszinierende Gegensätze."
Mother's Finest 1991: Der Tag, als der Rock'n'Roll nach Böhmischbruck kommt. In dem Vohenstraußer Ortsteil nämlich befindet sich die Pension, in der die Heavy-Funk-Band "Mother's Finest" ("Baby Love") nächtigt - und in Sachen Hotelzimmer-Randale Led Zeppelin und den Rolling Stones nacheifert. Nach dem "Zelt"-Auftritt feiern die Musiker eine wilde Party. Am Morgen danach sind Teppiche und Polster mit Brandlöchern und Weinflecken übersät. Und den Balkon haben die Musiker ganz offensichtlich mit der Toilette verwechselt. Igitt.
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Wolf Maahn 1991: Weniger der Deutschrocker selbst als sein Tourmanager hinterlässt hinter den Kulissen bleibenden Eindruck. Laufend konfrontiert er das Team des Stadtjugendrings mit Banalitäten, die angeblich nicht passen. Bis die gesamte Crew streikt. Schober: "Da bin ich zu ihm hingegangen und habe ihm gesagt: Da ist ein Strick, da ist die Naab. Wenn du nicht sofort die Klappe hältst, fesseln wir dich und schmeißen dich rein. Ab dem Zeitpunkt war Ruhe."
H-BlockX 1995: Das vielleicht lukrativste "Zelt"-Konzert aller Zeiten. Weil es gar nicht im "Zelt" stattfindet. Die Crossover-Metaller, damals mit ihrem Album "Time to Move" groß im Rennen, müssen ihren Auftritt im ersten Anlauf abblasen. Das Bedauern hält sich in Grenzen. Denn nachgeholt wird das Konzert ein paar Wochen im Josefshaus: mit gleich zwei Shows. Beide ausverkauft.
Eric Burdon 1998: "Der war damals ziemlich auf den Hund gekommen", erinnert sich Schober. "Er lebte in seiner eigenen Welt, völlig abgekoppelt von seiner Umwelt. Er hatte keinen blassen Schimmer davon, was Dinge kosten: eine Taxifahrt, ein Liter Milch ... Offenbar hat das immer jemand für ihn erledigt." Auch Schober muss etwas für Burdon erledigen: Der Ex-Animals-Sänger ist unfähig, sich allein ein Paar Turnschuhe zu kaufen. Der "Zelt"-Organisator lotst ihn zum Sporthaus Fehr.
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Was Stars hinter den "Zelt"-Kulissen so treiben
Temptations 1998: Hunderte Fans im proppenvollen "Zelt" sind außer Rand und Band: Gerade haben sie eine Hit-Gala von "Papa was a Rolling Stone" bis "My Girl" erlebt. Und dann sind sie weg, die "Temptations". Zehn Minuten rufen die Anhänger nach "Zugabe". Ohne Erfolg. Was ist da los? Mitorganisator Hubert Schober schaut nach: Die Stars des Abend haben die feinen Glitzeranzüge bereits abgelegt, sitzen in Joggingklamotten im Bus. Abfahrbereit. Schober fetzt mit Band-Chef Dennis Edwards: "Wenn ihr nicht mehr reingeht, könnt ihr heute Nacht im Bus schlafen!" Die Drohung, die Suite im "Admira" zu stornieren, wirkt. Die "Temptations" singen einen letzten Song. In Freizeitklamotten.
The Bates 1998: Die Band, die die Qualitäten von Michael Jackson bereits zu dessen Lebzeiten erkennt - und "Billie Jean" erfolgreich zum Punk-Hit umdeutet. Dennoch trauen die "Zelt"-Besucher eher ihren Ohren als ihren Augen: Was hat denn da der Sänger an? Ist das nicht ... genau: fast nix ist das. Zimbl rockt eineinhalb Stunden lang in der Unterhose. Hinter der Bühne zeigt Zimbl auch noch jedem, der will (oder auch nicht), was drinsteckt.
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Sex, Drogen und Rock'n'Roll
Was Stars hinter den "Zelt"-Kulissen so treiben
Helge Schneider 2000: Noch ein legendärer "Zelt"-Abend ohne "Zelt"-Beteiligung. Nach einem Orkan hängen die Zirkusplanen zu lange in Hamburg fest. Zum Eröffnungsabend ist das Zelt zwar aufgebaut, nicht aber die Bühne. Helge Schneider und 350 Fans ziehen ins Josefshaus um. Positiver Nebeneffekt: Bei nasskaltem Wetter sind alle froh, ein festes Dach überm Kopf zu haben. Und auch der benachbarte Kindergarten St. Anton bekam eine gute Portion Helge ab: Geduldig schrieb der Komödiant am Nachmittag Autogramme für die Kleinen. Bevor er sich mit denkwürdigen Worten verabschiedete: "So, jetzt lasst euch mal schön weitererziehen."
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